Louis Lambert, Teil I

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BAND 79: Louis Lambert, S. 1 – 50

Ein kurzer Roman, den man bereits zu lesen versuchte, bevor es diesen Blog gab. Den man jedoch aufgrund akuter Langeweile wieder beiseite legte. Dabei ist das Setting zuerst recht vielversprechend. Offensichtlich verarbeitet Balzac darin seine eigene lieblose Kindheit im strengen Internat, spaltet seine Person dabei jedoch in einen Ich-Erzähler und das titelgebende Wunderkind Louis Lambert auf.
Geboren in eine einfache Gerber-Familie wird der Hochbegabte früh von Madame de Staël entdeckt und gefördert. Er kann nämlich bereits mit fünf die Bibel auswendig, hat außerdem zwei- bis dreitausend andere Bücher gelesen. Auch hier eine Parallele zu Balzac, denn wie Stefan Zweig in seiner Biographie betont, verfügt er über die gleichen Querlese-Fähigkeiten: „Seine Augen überblickten sieben bis acht Reihen auf einmal, und sein Geist erfaßte den Sinn derselben ebenso schnell.“

Der Ich-Erzähler ist bereits Schüler des knüppelharten, von Oratorianern geführten Instituts, als Louis dorthin versetzt wird. Die Neugierde auf den Zögling der Madame de Staël ist so groß, dass die meisten Schüler enttäuscht sind von seiner tatsächlichen Erscheinung. Zwischen den beiden Außenseitern (die von ihren Kommilitonen „Dichter-und-Pythagoras“ genannt werden) entsteht schnell eine Freundschaft. Vor allem, weil sie aufgrund ihrer verbindenden Lesewut andauernd nachsitzen müssen. „Unser Gedächtnis war so gut, daß wir nie unsere Aufgaben lernten. Es genügte, wenn wir unsere Mitschüler die französischen und lateinischen Stücke oder die Grammatik hersagen hörten, um sie unsererseits wiederholen zu können. Aber wenn es dem Lehrer einfiel, außer der Reihe zu gehen und uns als erste zu fragen, dann wußten wir oft nicht einmal, um was für eine Aufgabe es sich handelte;“
Eine an sich spannende Underdog-Geschichte also, zumal man weiß, dass Louis Lambert später zu den Getreuen um Daniel d’Arthez in Verlorene Illusionen gehören, bzw. sogar ihr Gründer sein wird. Leider kippt Balzac das Konzept dann aber zugunsten einer Beschreibung der Philosophie, die Louis entwickelt, was ziemlich trocken, um nicht zu sagen, saumäßig öde ist. Die nächsten hundert Seiten werden zäh.

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2 Gedanken zu “Louis Lambert, Teil I

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