Der verstoßene Sohn, Teil II

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BAND 78: Der verstoßene Sohn, S. 84 – 154

Nachdem sein Lieblingssohn Maximilien gestorben ist, lässt der inzwischen 76jährige Graf d’Hérouville sich erweichen und erkennt seinen Erstgeborenen Etienne endlich als seinen Erben an. Durch das Einsiedlerleben an der Küste ist der natürlich denkbar ungeeignet, ein großes Haus zu repräsentieren, geschweige denn Nachwuchs zu zeugen. Nur der Arzt weiß, wie man mit ihm umgehen muss: „Er wird ganz unbefangen lieben und wird aus eigenem Herzensantrieb tun, was er Eurem Willen nach für Euren Namen tun soll. Gebt ihr Eurem Sohn eine große Dame zur Frau, die massiv und gewaltig ist, dann wird er sich in seinen Felsen verstecken; ganz gewiß!“
Wie es der Zufall will, hat der gute Doktor aber selbst eine scheue Tochter (eine Enkelin des Grafen und somit die Nichte Etiennes, aber wer will schon kleinlich sein). Sie und der reiche Erbe verlieben sich auch prompt, vor allem weil Etienne sich trotz des großen Standesunterschieds voller Ehrerbietung nähert: „Nur Frauen wissen, wieviel Verführung die Ehrfurcht erzeugt, die ein Herr ihnen entgegenbringt.“

Fünf Monate bändeln die beiden miteinander an, alles könnte so schön sein. Doch natürlich schlägt der böse Graf wieder mit eiserner Faust in das Liebesglück. Er will Etienne mit einer Tochter aus dem Hause Grandlieu verheiraten (da die Handlung im 16. Jahrhundert spielt, dürfte sie eine Urgroßmutter jener Clotilde sein, die Lucien de Rubempré später in Glanz und Elend der Kurtisanen zu heiraten versucht). Es kommt zum Streit, bei dem der junge Erbe zum ersten Mal in seinem Leben dem Vater die Stirn bietet. Anschließend schreit der Alte das junge Paar aber dermaßen an, dass sie vor Schreck beide sterben. So ähnlich muss sich auch Prinz Harry gefühlt haben, als sein großer Bruder die Stimme gegen ihn erhob. Glücklicherweise für das Haus d’Hérouville lassen die Seniors der beiden Familien sich von dem lästigen Zwischenfall aber nicht beeindrucken und kommen schnell zu einer Einigung: „Wuterfüllt schloß der Alte die Tür und sagte zu Mademoiselle de Grandlieu: ,Ich werde Euch heiraten, ich!‘ – ,Und Ihr seid noch Schwerenöter genug, Ihr werdet eine schöne Nachkommenschaft haben‘, flüsterte die Gräfin ins Ohr des Alten, der sieben Königen Frankreichs gedient hatte.“

Beste Stelle:

Ein Vater, der sein Kind liebt, wünscht sich, daß es immer klein bleiben möge. Wer ohne tiefen Schmerz seine Tochter unter die Herrschaft eines Mannes geraten sehen kann, steigt nicht in höhere Welten auf, er fällt zu den niederen Arten hinab.“

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2 Gedanken zu “Der verstoßene Sohn, Teil II

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