Die Bauern, Teil IX

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Es ist vollbracht, mit Die Bauern hat man nach dreihundert Tagen die Sittenstudien beendet, den großen szenischen Unterbau der Menschlichen Komödie. Bleiben noch die Philosophischen Studien, bestehend aus drei Romanen und einigen kurzen Erzählungen, sowie die zwei der Erzählungen der Analytischen Studien. Da man sich vorgenommen hat, nicht länger als ein Jahr für die ganze Lektüre zu brauchen, hat man noch 65 Tage Zeit. Das sollte zu schaffen sein.
An dieser Stelle kann man jedenfalls eine Top Ten – Empfehlung der besten Romane abgeben, für all diejenigen, die sich gern mal einen Balzac-Eindruck verschaffen wollen.

  1. Verlorene Illusionen
  2. Eine dunkle Geschichte
  3. Junggesellenwirtschaft / Die Krebsfischerin
  4. Glanz und Elend der Kurtisanen
  5. Tante Lisbeth
  6. Die Bauern
  7. Der Ehekontrakt
  8. Die Königstreuen
  9. Kehrseite der Geschichte unserer Zeit
  10. Vater Goriot

BAND 66: Die Bauern, S. 418 – 489

Der General Montcornet ist klug genug, deeskalierend auf den Konflikt einzuwirken. Zwar werden die größten Schurken unter den Bauern verhaftet, doch im nächsten Moment präsentiert er eine Begnadigung des Königs, die er selbst erwirkt hat. Leider reicht seine Klugheit nicht soweit, sich mit seinem Erzfeind Gaubertin zu vertragen: „die Delikte schienen aufhören zu wollen, und vielleicht hätte wirklich die ganze Gegend und ihre Bewohner ein vollkommen anderes Gesicht bekommen, wäre das nicht von der wütenden Rachsucht Gaubertins, den Kabalen der ersten Gesellschaft von Soulanges und den Intrigen Rigous verhindert worden, die den verbrecherischen Haß im Herzen der Bauern des Tals von Les Aigues wie ein Schmiedefeuer anfachten.“
Der treue Wächter Michaud wird erschossen, als er gerade einen Arzt zur Entbindung seiner Frau holen will. In der Folge verliert sie ihr Kind. Selbst Emil Blondet, der inzwischen jedes Jahr zu Besuch aufs Land kommt (sehr zur Freude der Gräfin) erkennt, dass die Sache aussichtslos ist. Nach einer letzten Drohung eines ehemaligen Angestellten, der dem General unverblümt sagt, dass er ihn schon dreimal hätte erschießen können, räumt Montcornet das Feld. Er verkauft Les Aigues und gibt damit den Verschwörern, was sie wollten.

In einem Epilog erfährt man, dass er später wieder zum Militär geht und fällt. Seine Witwe, die Gräfin Montcornet, tut das, worauf sie vermutlich schon lange Bock hatte: Sie heiratet Emil Blondet. Als die beiden Jahre später noch einmal ins Tal von Les Aigues kommen, sehen sie, dass das gesamte schöne und wilde Land in winzige landwirtschaftliche Parzellen zerteilt, das Schloss abgetragen, der Wald abgeholzt wurde. „,Das nennt sich nun Fortschritt!‘ rief Emil aus. ,Das sieht aus, wie eine Seite aus dem ,Contrat social‘ von Jean-Jacques! Und an diese soziale Maschinerie, die so arbeitet, habe ich mich gekettet! … Mein Gott, was wird in kurzer Zeit aus den Königen werden? Und was soll bei diesen Zuständen in fünfzig Jahren aus den Völkern selbst werden?“
Eine berechtigte Frage.

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3 Gedanken zu “Die Bauern, Teil IX

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