Physiologie der Ehe, Teil VI

Zum vorherigen Beitrag

BAND 88: Physiologie der Ehe, S. 251 – 350

Ist der häusliche Krieg erstmal ausgebrochen, wird mit harten Bandagen gekämpft. Die Kräfteverhältnisse sind dabei mehr als ungleich, doch entgegen der Lehrmeinung ist es nicht die Frau, die dabei unter Benachteiligungen zu leiden hat. Im Gegenteil. Wer genauer darüber nachdenkt, weiß längst, dass sie ein vollkommen unberechenbarer Gegner ist:
Die Handlungen einer Frau, die ihren Gatten hintergehen will, werden fast stets ausgeklügelt, aber sie werden niemals vernünftig sein. (…) Die meisten Frauen gehen vor wie die Flöhe: sprungweise und in willkürlichen Sätzen. Sie entwischen durch die Höhe oder durch die Tiefe ihrer ursprünglichen Ideen, und die Lückenhaftigkeit ihrer Pläne kommt ihnen zugute.“
Die Frau hält sämtliche Zügel in der Hand, kann Migräne oder Neurosen vortäuschen, um sich der ehelichen sexy-time zu entziehen. Ist der Mann so dumm, sich gegen die Resignation und für den offenen Streit zu entscheiden, haha, dann gnade ihm Gott: „sie wird von dir Rechenschaft verlangen über Handlungen, die du nicht begangen, über Worte, die du nicht gesprochen hast. Sie will angebliche von dir begangene Verfehlungen gerechtfertigt haben; (…) Die Riesenklapper, die deine Frau schwingt, wird dich überallhin mit ihrem zudringlichen Geräusch verfolgen. Deine teure Freundin wird dich betäuben, wird dich foltern und wird ihren Spaß daran haben, dich nur die Dornen der Ehe fühlen zu lassen.“
Natürlich wirft der Meister da ein Bild der Ehe (bzw. der monogamen Beziehung) an die Wand, das äußerst erschreckend ist. Aber nach gut 300 Seiten findet er doch ein versöhnliches Ende. Denn mit dem Alter werden alle weich und umgänglich, selbst das weibliche Geschlecht und ihre Liebhaber. Am Ende kommt der Ehemann sogar in den Genuss der Früchte des Mitleids. Er kriegt Pasteten mit Trüffeln und Gänseleber geschenkt, möglicherweise duelliert sich der Liebhaber sogar für ihn, wenn ein Außenstehender frech wird und das polyamouröse Gebilde bedroht. Und als Gipfel des Glücks steigt eventuell sogar die eigene Frau mal wieder mit ihm ins Bett. Was er dann dem Liebhaber voller Triumph unter die Nase reiben kann. In einer offenen Beziehung im Jahr 2023 dürfte es nicht harmonischer zugehen.

Beste Stelle:

Balzac spricht zwar von den Untiefen des ehelichen Miteinanders, doch kann man diese Weisheit auf vieles anwenden: „Aber je mehr Fackeln man in die ungeheure Höhle hineinwirft, die wir aufzuhellen versuchen, desto tiefer wird man sie finden.“

Weiterlesen

2 Gedanken zu “Physiologie der Ehe, Teil VI

  1. Pingback: Physiologie der Ehe, Teil V | CLINT LUKAS

  2. Pingback: Die kleinen Nöte des Ehelebens, Teil I | CLINT LUKAS

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..