Physiologie der Ehe, Teil V

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BAND 88: Physiologie der Ehe, S. 205 – 251

Ist das Kind erstmal in den Brunnen gefallen, und die Ehefrau, bzw. Partnerin hat sich einen Liebhaber genommen, kann der Betrogene nur noch darüber entscheiden, in welcher Form er Gegenmaßnahmen ergreift – mit dem Zuckerbrot oder der Peitsche. Er kann auf ihr Mitleid hoffen, indem er den Eifersüchtigen spielt und sich so der Gnade ihrer Macht ausliefert: „Eifersüchtig sein bedeutet gleichzeitig: den Gipfel der Ichsucht, den Bankrott der Selbstachtung und die Erregung einer falschen Eitelkeit. Die Frauen nähren mit außerordentlicher Sorgfalt dieses lächerliche Gefühl, weil sie ihm Kaschmirschals, ihr Nadelgeld und Diamanten verdanken und weil sie für sie das Thermometer ihrer Macht ist.“
Ebenso kann der minotaurisierte Ehemann ihr von vornherein sämtliche Freiheiten lassen und darauf spekulieren, dass sie dadurch die Lust an jedem Tabubruch verliert.
Zieht der Gatte jedoch die Peitsche vor, kann er zunächst mit Verboten arbeiten. Woanders als zuhause baden? Verboten. Besuch von ominösen Männern empfangen? Verboten. Allein spazieren gehen, allein einkaufen? Verboten, verboten. Auch Drohungen sind wirksam, allerdings müssen sie im richtigen Tonfall ausgesprochen werden: „es empfiehlt sich sogar, derartige Aussprüche lachenden Mundes zu tun, wenn du ihr etwa sagst: ,O mein Gott ja, mein geliebtes Herz, ich würde dich sehr elegant abmurksen. Wäre es dir lieb, wenn du von mir getötet würdest?’“
Sollte es zu dem Moment kommen, dass man die Liebste in flagranti mit ihrem Stecher überrascht, ist es dagegen absolut erforderlich, würdevoll und schön zu wirken: „Halte beständig deinen Kopf zu drei Vierteln abgewandt und hebe ihn dabei mit einer überlegenen Miene hoch. Diese Haltung wird viel zu der Wirkung beitragen, die du notwendigerweise erzielen mußt.“ Gelingt einem dies, sollte im Grund alles geritzt, und die leichtfertige Ehefrau wieder zur Treue bekehrt sein.

Beste Stelle:

Selbst wenn es brennt, muss man die Ruhe bewahren. Deshalb eine wichtige Lektion in Sachen Contenance: „Die Angehörigen der hohen Gesellschaftskreise (…) gleichen niemals den kleinen Leuten, die keine Gabel verlieren können, ohne das ganze Stadtviertel durch das Läuten der Sturmglocke in Aufregung zu bringen.“

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2 Gedanken zu “Physiologie der Ehe, Teil V

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