Seraphita, Teil I

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BAND 80: Seraphita, S. 1 – 54

Im hohen Norden Norwegens klettern ein junger Mann namens Seraphitus und eine Frau namens Minna auf einem Berg herum. Seraphitus hat goldene Locken und eine derart betörende Stimme, dass er sich die liebestrunkene Minna kaum vom Leib halten kann. Wie oder warum die beiden an diese gottverlassene Stelle gekommen sind, wird nicht erklärt, sie scheinen es sich auch selbst zu fragen. Warum Seraphitus nichts von den Liebesavancen seiner Gefährtin wissen will, macht er dagegen schnell deutlich: „Minna, das am Fuß der Eiche verborgene Veilchen denkt für sich: die Sonne liebt mich nicht, denn sie kommt nicht; die Sonne aber spricht: wenn ich scheine, so stirbt das arme Blümchen. Und als Freundin der Blume blicken ihre Strahlen nur verstohlen durch die Blätter der Eiche, und dämpfen ihr Feuer, um den Kelch der Geliebten anmutig zu färben.“
Ist er also ein Engel, wie sein Name es nahelegen könnte? Er vertröstet die gute Minna jedenfalls damit, dass sie den im Dorf lebenden Wilfried heiraten soll. Doch kaum sind die beiden dort angelangt, verwandelt der hübsche Jüngling sich in eine noch hübschere Frau und verdreht eben jenem Wilfried den Kopf. Ein non-binärer Engel? Wilfried, unglücklich verliebt, sucht in seiner Verzweiflung Minna und ihren Vater, den alten Pfarrer, auf, und fragt sie um Rat. Da man sich immer noch im Erzählband Buch der Mystik befindet, wird wieder der olle Imanuel Swedenborg bemüht, mit dem man gerade erst in Louis Lambert bis aufs Blut gequält wurde: „Haben Sie je von Swedenborg gehört? (…) So! Nun da will ich Ihnen einen Abriß vom ganzen Swedenborg geben.“
Darf man kurz vorm Ziel noch die Flinte ins Korn werfen? Wenn das so weitergeht mit diesen unerträglichen Frühwerken, könnte es noch passieren.

Beste Stelle:

Seit Eva hat jede Frau immer mit vollem Bewußtsein Gutes und Schlechtes getan. (…) Unser Instinkt ist ja gerade die Ursache, die uns so vollkommen macht. Alles, was ihr Männer mühsam erlernen müßt, wird von uns empfunden.“

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2 Gedanken zu “Seraphita, Teil I

  1. Pingback: Louis Lambert, Teil III | CLINT LUKAS

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