Maître Cornélius, Teil II

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BAND 74: Maître Cornélius, S. 43 – 92

Obwohl Cornélius ihn überwacht wie ein Habicht und in einem Turmzimmer einsperrt, gelingt es dem jungen Kavalier in der Nacht auszubrechen. Er benutzt dazu einen Dolch mit einer Säge-Schneide, mit dem er das Schloss aus der Tür sägt (freilich ohne ein Geräusch in dem überaus hellhörigen Haus machen). Anschließend klettert er auf das Dach seiner Liebsten, schlüpft durch den Schornstein in ihr Schlafzimmer. Auch das tut er mithilfe des Dolches, den er als Halterung für eine Strickleiter verwendet. Ein echtes MacGyver-Tool, dieser Dolch. Am Ziel seiner Hoffnungen angelangt, verbringt er die Nacht zu Füßen der holden Marie und leistet fromme Schwüre. Mehr lässt sie auch nicht zu: „Gemäß den Liebesvorschriften dieser Epoche speiste Marie de Saint-Vallier ihren Geliebten mit zierlichem ,Gänseklein‘ ab; sie ließ ihn bereitwillig die Füße, das Gewand, die Hände, den Hals küssen; sie gestand ihre Liebe, sie nahm die Bemühungen ihres Liebhabers an, sie erlaubte ihm, für sie zu sterben (…); aber sie blieb unangreifbar und machte aus dem höchsten Liebeslohn den Preis ihrer Befreiung.“

Szenenwechsel: Am nächsten Morgen rennt Maître Cornélius durch die Stadt und behauptet, sein vermeintlicher Gehilfe hätte ihm die bayrischen Kronjuwelen gestohlen. Man ahnt also langsam, dass der Gute Dreck am Stecken hat. Zwar hat der Kavalier ein Alibi, allerdings will er es nicht ausspielen, um Marie zu schützen. Cornélius eilt zum König und petzt, die nächste Hinrichtung scheint unvermeidlich. Zum Glück ist Marie die Lieblingstochter des Königs und verwendet sich bei ihm für ihren Lover. Ludwig XI., ein tatkräftiger Monarch, der sich gern auch mal mit Angelegenheiten des Volkes zerstreut, übernimmt selbst die Ermittlungen und siehe da: Es stellt sich heraus, das Maître Cornélius ein Schlafwandler ist, der ohne sein eigenes Wissen alle Diebstähle selbst begangen hat. Weil er sich nicht erinnern kann, wo er die Schätze versteckt hat, wird er am Ende wahnsinnig. Was aus Marie und ihrem Kavalier wird, bleibt unklar, man darf aber annehmen, dass sie ein illegitimes Kind zeugen.

Beste Stelle:

Wenn Tristan, der Henker, das aufgebrachte Volk verscheucht: „Platz für die Gerechtigkeit des Königs! (…) Was habt ihr hier zu schaffen? Wollt ihr, daß man Euch henkt? Geht nach Hause, meine Freunde, euer Braten brennt an! He! Gevatterin da, die Hosen Eures Mannes sind durchlöchert, geht heim und nehmt Eure Nadel.“

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2 Gedanken zu “Maître Cornélius, Teil II

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