Jesus Christus in Flandern

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BAND 73: Jesus Christus in Flandern

In einer Zeit, die nicht näher benannt wird, macht ein Fährmann in Brabant seine Barke tbereit, um einen Nordseekanal zu überqueren. Zu seinen Passagieren zählen sowohl arme Bauern und Soldaten, als auch ein paar reiche Snobs, ein Durchschnitt durch die Gesellschaft. Kurz vor dem Ablegen steigt ein Mann dazu, den keiner kennt. Erst als die Barke in einen Sturm gerät, das Leben der Besatzung in höchster Gefahr ist, outet er sich als niemand geringerer als der Heiland J.C. persönlich. Er verlässt das sinkende Schiff und schreitet übers Wasser, heißt alle Gläubigen, ihm zu folgen. Die Armen tun es auch prompt und werden gerettet. Den reichen Schnöseln dagegen ergeht es schlecht: „Der Gelehrte, der sich über den Scharlatan und die Dummköpfe , die auf ihn hörten, lustig machte, als der Unbekannte den Passagieren vorschlug , über das Meer zu gehen, begann zu lachen und wurde vom Ozean verschlungen. Das junge Mädchen wurde von ihrem Liebhaber in den Abgrund hinuntergezogen. Der Bischof und die alte Dame versanken, vielleicht von Verbrechen beschwert, mehr aber noch belastet durch ihren Unglauben, durch ihre Anbetung von Götzenbildern, schwer an falscher Frömmigkeit, leicht an Almosen und wahrer Religion.“
Ein ganz schöner Klassenkämpfer, der liebe Jesus. Zu seinen Ehren wird eine Kathedrale am Strand errichtet, um den Ort zu kennzeichnen, an dem er der Erde seinen letzten Besuch abstattete. Viele Jahre später besucht der Erzähler diese Kirche und hat eine Art Erleuchtung. Er schließt mit den ominösen Worten: „,Glauben‘, dachte ich bei mir, ,heißt leben.‘ Ich habe den Leichnam einer Monarchie vorübergehen sehen. Man muß die Kirche verteidigen.“
Daraus wird man nicht richtig schlau, vielleicht auch, weil man den halben Tag mit seinem Kind in der Notaufnahme verbracht hat. Aber einem Erzählband, der „Buch der Mystik“ heißt, muss man vielleicht auch nicht auf den Grund gehen wie ein Schießhund.

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2 Gedanken zu “Jesus Christus in Flandern

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