Es ist eine von diesen Wochen, in denen man beim Wunsch, sein übliches Pensum zu erfüllen, gegen Windmühlenflügel kämpft. Das Kind ist für die Ferien da, worüber man sich sehr freut. Allerdings muss man trotzdem jeden Morgen beim Halbtagsjob erscheinen, wo das Kind sich inzwischen langweilt. Früher hat sie gern mitgeholfen, hat DHL-Labels auf die Pakete geklebt, oder mit einer Sackkarre Müllabfuhr gespielt, indem sie die diversen Papierkörbe entleerte. Diese Zeit ist vorbei, die Tage beginnen mit einem gewissen Dämpfer. Man selbst kann sich nicht richtig auf den Job konzentrieren, wenn man mit einem Ohr immer auf Standby stehen muss, das Kind fühlt sich vernachlässigt. Wenn man gegen zehn Feierabend machen kann (immerhin kann man das), muss man erstmal gemeinsam gegen das entstandene Phlegma ankämpfen, um den Tag in eine fröhliche Spur zu lenken. Was nicht immer gelingt.
Und dann kommen die eigenen Eltern an, um fünf Tage in Berlin zu verbringen. Sie und das Kind sehen sich selten, man wird also viel gemeinsam unternehmen.
Wann man bei all diesen familiären Verwerfungen zum Schreiben kommen soll, bleibt schleierhaft. Der Ratgeber steckt seit Tagen auf Seite 111, es zeichnet sich demnach ab, dass man die Deadline um mindestens eine Woche wird überziehen müssen. Das passt einem nicht. Hundertprozentige Effizienz ist nirgends gefragt, schon gar nicht im Literaturbetrieb. Und trotzdem passt es einem nicht, weil man gern effizient ist. Man versucht also den verwaisten Laptop nicht zu oft anzuschauen zwischen Spaziergängen und Schifffahrten und Restaurantbesuchen. Fällt dann der Blick einmal auf den Nachttisch, liegt dort der Balzac und starrt einen vorwurfsvoll an. Der nächste Band heißt Eine dunkle Geschichte. Passt im Grunde ganz gut. Doch man kommt nicht zum Lesen, und falls doch, fallen einem bei den Worten „Es begab sich im Jahr 1803“ sofort die Augen zu.
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