Vetter Pons, Teil V

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Vor vier Tagen hat man sich wie blöde gefreut, dass bei Balzac eine Figur auftaucht, die dem eigenen Wiener Freund Stefan ähnelt. Die Parallelen waren verblüffend, vor allem das schillernde Kunstwissen, das leider nicht immer von den Zeitgenossen erkannt und wertgeschätzt wird. Allein die Stelle, an der Pons über die unterschiedlichen Porzellanmanufakturen spricht, ist eine Freude: „Alle diese hinreißenden Meisterwerke sind gezeichnet. Frankenthaler Porzellan trägt ein C und ein T (Carl Theodor), die verschlungen sind und von einer Fürstenkrone gekrönt werden. Altes Sachsen hat seine zwei Degen und die Ordnungsnummer in Gold. Vincennes zeichnete mit einem Horn. Wien hat ein geschlossenes und durchstrichenes V. Berlin hat zwei Striche. Mainz hat das Rad. Sèvres die beiden LL, und das für die Königin bestimmte Porzellan ein A mit der königlichen Krone, das Antoinette bedeutet.“
Gern hätte man weiter diesen glorreichen Nerd bestaunt, doch leider wandelt das Buch sich recht schnell zu einem Sittengemälde über die Mentalität von Pförtnerinnen. Das ist schon in Ordnung, man kann dem Meister schlecht vorwerfen, das er den eigenen Geschmack nicht getroffen hat. Doch statt einem Meisterwerk hält man mal wieder nur den Teil eines Katalogs über die Pariser Gesellschaft in Händen.

BAND 53: Vetter Pons, S. 190 – 247

Seite um Seite um Seite hockt die alte Cibot an Pons‘ Krankenbett und nervt ihn mit ihrem Geschleime: „Pons machte vergebliche Versuche zu antworten; die Cibot redete wie der Wind bläst. Wenn man Mittel gefunden hat, um Dampfmaschinen anzuhalten, so übersteigt doch die Aufgabe, das Sprechwerkzeug einer Pförtnerin zum Stillstand zu bringen, die Erfindungskraft der Erfinder.“
Nebenbei lässt sie den Trödler Rémonencq und den durchtriebenen Kunstsammler Elias Magus ins Allerheiligste, damit sie den Wert der Bilder schätzen können. Man merkt, dass Balzac Spaß beim Schreiben hatte und seinen Protagonisten mit der gleichen Begeisterung über dem Feuer der Niedertracht röstet, wie seinerzeit Vater Goriot. Wie gesagt, das ist schon okay, aber leider auch austauschbar.

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2 Gedanken zu “Vetter Pons, Teil V

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