Die Kleinbürger Teil XV

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BAND 52: Die Kleinbürger, S. 701 – 743

Theodosius freut sich auf seine Hochzeit mit Lydia, als hätte er nie etwas anderes angestrebt. Mit Genuss kündigt er Thuillier die Freundschaft und ruiniert nebenbei dessen Chancen, zum Deputierten gewählt zu werden. Alles in allem eine recht merkwürdige Art Balzacs, den Hauptkonflikt zu lösen. Man stelle sich ein 800 Seiten langes Märchen vor, in dem der Held eine Prinzessin aus einem Drachenhort befreien muss. Und kurz bevor er dort ankommt, beschließt er, dass er doch lieber eine ganz andere Prinzessin heiraten wird. Ende.
Eine sehr überraschende Wendung gibt es allerdings noch. Denn als Theodosius seiner Zukünftigen zum ersten Mal gegenüber tritt, stellen die beiden fest, dass sie sich bereits kennen: Es war Theodosius selbst, der sie in Glanz und Elend der Kurtisanen vergewaltigt hat! Natürlich ist er deshalb nun auch der einzige, der sie von ihrer Geisteskrankheit heilen kann. „Glücklicherweise hat die Vorsehung es zugelassen, daß es in dieser furchtbaren Angelegenheit nichts gibt, was nicht wieder gutzumachen wäre; dasselbe Gift kann, je nach seiner Anwendung, den Tod und die Heilung bringen.“ Eine sehr steile These.

Durch einen seiner Spitzel erfährt Corentin noch, dass Felix Phellion reich geworden ist und Celeste endlich heiraten darf. Theodosius, den das ziemlich anfrisst, kriegt seine längst überfällige Standpauke gehalten. Da er sich nämlich für die Intrige als sein liebstes Stilmittel entschieden hat, wird er sich von nun an für immer daran halten müssen. Kein Liebesglück im Schoß einer zärtlichen Familie, sondern ewige Polizeiarbeit:
Unserer Gesellschaft! (…) Sie reden, als ob Sie noch zu ihr gehörten. Sie stehen außerhalb ihres Rahmens, mein Lieber, und Sie sollten sich zufriedener mit Ihrem Lose zeigen; die Regierungen verschwinden, die Gesellschaften gehen unter oder siechen dahin; aber wir, wir herrschen über alles dieses, und die Polizei ist für die Ewigkeit da.“

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2 Gedanken zu “Die Kleinbürger Teil XV

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