Die Kleinbürger, Teil VI

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Fünfzig Seiten hier, fünfzig Seiten da, fünfzig Seiten jeden Tag. Es gab ja Bände, da schaffte man nicht mehr als zwanzig, weil sie so gehaltvoll waren. Bei anderen konnte man das Buch nicht weglegen, weil man wissen wollte, wie es weitergeht. Aber nicht bei Die Kleinbürger, vor allem, weil man sich längst in der eigenen Abneigung verschanzt hat. Wenn ein Buch im Dienst nach Vorschrift geschrieben wurde, kann man es auch ebenso lesen. Warum Energie aufwenden, wenn man die viel sinnvoller dafür nutzen kann, dem Kind ein Schleckeis zu kaufen, mit einem E-Scooter durch die Stadt zu heizen oder noch besser: Eigene, bessere Bücher zu schreiben. Sorry, Honoré.

BAND 52: Die Kleinbürger, S. 251 – 300

Aus irgendeinem Grund geht es plötzlich nur noch um den Halsabschneider Cérizet. Er hat sich in die Fischhändlerin Frau Cardinal verknallt und will deshalb ihre Tochter heiraten. Um die Knete dafür aufzutreiben, wollen sie einen alten Bettler ausnehmen, der im Sterben liegt. Wichtige Info: Der Bettler hat Diamanten und Gold. Die beiden betäuben ihn mit einem klatschmohnversetzten Glühwein und durchsuchen die Wohnung, werden jedoch von einem Nachbarn überrascht.
Ein Plot-Twist, den man zähneknirschend als gelungen anerkennen muss: Der Nachbar ist Corentin, der pensionierte Chef der Geheimpolizei aus Glanz und Elend der Kurtisanen. Bei ihm lebt Lydia, die geschändete Tochter des alten La Peyrade, Kusine von Theodosius de la Peyrade. Corentin will dessen Hochzeit mit Celeste verhindern, Cérizet soll ihm dabei helfen: „Aus Interesse für den Neffen meines alten Freundes, und weil mir angesichts der Verwandtschaft eine solche Heirat sehr passend erscheint, will ich, daß Theodosius seine Kusine (…) heiratet.“
So ändern sich die Zeiten. Was heute beargwöhnt wird, war damals noch das ultimative Pro-Argument. Cousinen und Cousins aller Länder vereinigt euch.

Beste Figur:

Der alte Bettler Toupillier, ein sympathischer Süffel, „seit zwanzig Jahren war er in den Armen der Trunkenheit, seiner letzten Geliebten, eingeschlafen.“

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2 Gedanken zu “Die Kleinbürger, Teil VI

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