Die Kleinbürger, Teil III

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Man geht um halb zehn am Vormittag in den Bierbrunnen, um weiter am COOL TROTZ KIND – Ratgeber zu schreiben. Manuskriptabgabe ist am 1. November, man hat etwa ein Zehntel des erforderlichen Textes geschrieben. Was einen nicht weiter nervös macht, schließlich hat man für das letzte Buch ebenfalls nur zweieinhalb Monate gebraucht.
Man rechnet sich aus, dass man bei zwei entspannten Seiten pro Tag weit genug kommen wird, um dann ab Mitte Oktober mit einem Endspurt alles zu regeln. Leider entpuppt sich der Tag als so unfruchtbar, dass er nicht einmal diese zwei Seiten hervorbringen kann. Man entlässt sich also gegen halb elf in den Feierabend, den man mit dem 80jährigen Klausi am Tresen begeht.
Abwechselnd ausgegebene Bierrunden mischen sich mit Schlagermusik aus der Juke-Box. Das schlechte Gewissen über die eigene Faulheit hält sich in Grenzen, man ist schließlich keine Maschine. Einprägsamster Moment, als Klausi eine Stammgästin am anderen Ende der Kneipe fixiert und einem zuraunt: „Früher, ja? Früher war die mal ne schöne Frau jewesen. Aber heute, tut mir leid, dass ick sowat sagen muss: Heute is die nur noch‘n hässlicher Vojel.“

BAND 52: Die Kleinbürger, S. 101 – 150

Man könnte nun immer so weiter machen und jede kleine Begebenheit der Handlung in eine Synopsis pressen. Letzten Ende lässt sich aber nicht mehr sagen, als im gestrigen Beitrag. Theodosius de La Peyrade zieht weiter seine Strippen und manipuliert das übrige Ensemble. Oder etwas konkreter: Indem er die Wahl des schönen Thullier in den Stadtrat forciert, hofft er, sich unverzichtbar zu machen und Celeste mit ihrer halben Million Mitgift als Gattin zu erhalten.
Balzac folgt dabei streng dem Titel des Werkes und präsentiert langweilige Kleinbürger mit langweiligen Wünschen und langweiligen Konflikten. Als Text ist das sehr konsequent. Man fände es nur erfreulicher, wenn dieser Text nicht 800 Seiten lang wäre.

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2 Gedanken zu “Die Kleinbürger, Teil III

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