Die Beamten, Teil VI

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Es ist ein guter Morgen, obwohl man durch die abendliche Mischung aus Champagner, Bier und Bourbon ein leichtes Ziehen in der Kopfhaut verspürt. Anlass des Exzesses waren ausnahmsweise mal nicht Verzweiflung und Langeweile, sondern der Abschluss des Biographie-Projektes. Den reinen Text hatte man zwar bereits Anfang Juli fertig, doch eine Reihe von Änderungswünschen, sowie Cover, Satz und Layout forderten ihre Zeit.
Vor allem der Satz. Man wollte ihn ja unbedingt selbst machen. Mit Word. Was gut ging, so lange es nur Text zu setzen galt. Durch das Einfügen von knapp vierzig hochauflösenden Bildern wurde die Angelegenheit jedoch heikel. Zwischenspeichern durfte man nicht, weil die Datei sich sonst an ihrer eigenen Größe aufhängte. Man machte also alles in einem Rutsch, die Gewissheit verdrängend, dass man sturen Murks fabriziert. Beim Exportieren ins pdf-Format (nach drei Stunden Arbeit) stürzte das Programm ab. Man knirschte mit den Zähnen und machte alles nochmal in zwei Stunden. Beim Exportieren ins pdf-Format stürzte das Programm ab.
Verzweifelt fragte man den Gestalter des Covers, ob er mit InDesign vertraut ist. Ist er. Man fährt zu ihm und hat nach kurzer Zeit einen perfekten Buchblock mit Bildern. Das Cover ist ebenfalls fertig, der Druck bei BoD beauftragt. Hardcover mit Fadenbindung, gerundeter Rücken, 120g Cremeweiß, Brillantdruck. Acht bis elf Tage Lieferzeit. „Hartmut Horst – Das Zögern ist vorbei“, die zweite Biographie-Arbeit von Clint Lukas. Es ist der 200. Tag, an dem man in Folge über Balzac gebloggt hat. Der COOL TROTZ KIND – Ratgeber wächst und gedeiht wie ein Furunkel. Man fühlt sich wie eine unaufhaltsame Macht.

BAND 49: Die Beamten, S. 241 – 281

Des Lupeaulx sucht Célestine in ihrer Wohnung auf und gibt ihr deutlich zu verstehen, welche Gegenleistung er für die Beförderung ihres Mannes erwartet. Es liegt ein Hauch von #metoo in der Luft. Célestine spielt ihre Karten gut aus und erhält dafür eine Einladung zum Minister. Anschließend faltet sie ihren Mann erst mal für sein angebliches Lebenswerk zusammen: „Brauche ich einen Plan zu kennen (…), dessen Sinn es ist, Frankreich mit sechs, statt mit zwanzigtausend Beamten zu verwalten? (…) Einen feudalen Adel kann man unterwerfen, indem man einige Köpfe abschlägt, aber kein tausendpfötiges Ungeheuer. Nein, die Kleinen kann man nicht zertreten, sie sind zu flach unter unserem Fuß.“

Auf der Party beim Minister kommt Célestine glänzend an. Sie hat sich ordentlich aufgebrezelt und ist die vollendete Schmeichlerin: „Die Unterhaltung wurde allgemein. Von Zeit zu Zeit tat Frau Rabourdin die Zunge hinein wie eine wohlerzogene Katze die Pfoten auf die Spitzen ihrer Herrin tut, indem sie ihre Krallen sammetweich macht.“
Allerdings verzockt sie sich dann. Weil der Minister selbst auf sie abzufahren scheint, kokettiert sie lieber mit ihm als mit des Lupeaulx. Warum einen Grafen nehmen, wenn man den König haben kann? Obwohl ihr Mann eigentlich schon für den neuen Posten ernannt ist, macht sie sich des Lupeaulx zum Feind. „Er trat in den Salon, nachdem er sich in dem Spiegel gemustert hatte, und erkannte, daß er als Politiker ein sehr ansehnlicher Mann, aber ein vollständiger Invalide im Reich der Venus war.“ Riecht nach einem Sieg für die Holzwürmer um Baudoyer.

2 Gedanken zu “Die Beamten, Teil VI

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