Junggesellenwirtschaft, Teil IV

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Man sitzt im Büro und hat den Blues. Emotionaler Kater nach einem Tag der Euphorie. Gegen Mittag erfuhr das Daydrinking im Bierbrunnen eine unerwartete Wendung, als die Freundin mit ihrem Auto auftauchte. Nach etlichen Stunden, die sie zu Recherchezwecken im Knast verbrachte, ist ihr Freiheitsdrang unaufhaltsam. Man fährt deshalb mit ihr und Freund Moses in den fernen Westen, um Senfeier im Diener Tattersall zu essen. Kleiner Dämpfer, als man feststellen muss, dass dort erst um achtzehn Uhr aufgesperrt wird.
Stattdessen dann Paris Bar in der Kantstraße. Während die Freundin zwanzig Minuten lang einen Parkplatz sucht, freundet man sich mit dem französischen Kellner an. Als sie endlich wieder erscheint, stehen bereits Chardonnay und ein Dutzend Austern bereit. Senfeier gibt es nicht, man entscheidet sich also für Rinderfilet, in der Folie mit Knochenmark und Pastis gegart. Dazu pommes Lyonnaise und Salat, den man nicht anrührt.
Man hatte nicht vor, schon wieder der Völlerei zu frönen, doch Enthusiasmus mit drei multipliziert, dazu noch in einem französischen Restaurant, ist eine Naturgewalt, die man nicht unterschätzen sollte. Der Kellner scheint das ähnlich zu sehen, denn er gibt eine Runde Calvados aus. Man ist allmählich betrunken, die Abläufe verschwimmen ineinander. Eine zermürbende Taxifahrt durch den Berufsverkehr, kurze Mittagsruhe, dann Tattersall. Man freut sich, dass Judith und Moses sich gut verstehen, es ist immer schön, einem Treffen großer Geister beizuwohnen. Irgendwann auch betrunkene Streits, weil man nicht einer Meinung bezüglich des Dalai Lama und Mel Gibsons Braveheart ist. Versöhnung bei Gin und Tonic, man gießt letzteres zu schnell ein, wodurch man das Tischtuch großflächig nässt.
Am nächsten Morgen ist man nicht verkatert, zumindest nicht körperlich, dank des Zaubermittels Elotrans. Aber man sitzt da und starrt melancholisch ins Leere. Zurück zur Arbeit, zurück zur leeren Seite, die immer auf einen wartet. Es war schön. Es soll noch sehr oft so schön sein.

BAND 37: Junggesellenwirtschaft, S. 151 – 200

Die Ritter des Müßiggangs tragen in der Nacht den Wagen eines spanischen Kornhändlers auf einen Hügel, ein famoser Streich. Was soll man auf dem Land auch sonst mit seiner Zeit anfangen. Die Ankunft der Bridaus scheint ihren Anführer Max zu beunruhigen, weil sie die Pläne bedrohen könnten, die er mit der „Käscherin“ hat. Endlich erfährt man also, warum dieser Band auch La Rabouilleuse heißt, wobei man die Übersetzung Die Krebsfischerin noch schöner findet. Es folgt ein ausführlicher Rückblick.
Im Jahr 1799 begegnet der alte, geizige Doktor Rouget (Vater von Frau Bridau und dem zurückgebliebenen Jean-Jacques Rouget) an einem Bach einem jungen Bauernmädchen namens Flora Brazier. Sie ist damit beschäftigt, Krebse aufzuscheuchen, die ihr Onkel anschließend einfängt. Der Doktor findet sie heiß und kauft sie dem Onkel für 200 Taler ab. Natürlich zerreißt man sich in der Stadt schnell das Maul über die beiden: „Wenn auch, wie zu vermuten ist, den Doktor sein hohes Alter zwang, ein Kind von fünfzehn Jahren zu schonen, so galt die Käscherin doch für eine, die ,es verstand‘.“

Nachdem der alte Doktor gestorben ist, wird Flora die Haushälterin seines Sohnes. Der ärmste ist mit seinen 37 Jahren nicht die hellste Kerze auf der Torte und hoffnungslos in sie verliebt. Nachts legt er sich vor ihre Schlafzimmertür, wodurch sie begreift, welche Macht sie über den reichen Erben besitzt: „Sie fand ihn nicht mehr so häßlich, den armen Tropf mit der gräßlichen Krone von geschwürähnlichem Ausschlag an Stirn und Schläfe, dem Kennzeichen verdorbenen Blutes.“
Über die Jahre wird Jean-Jacques zum Sklaven der Krebsfischerin. Deshalb hat er auch nichts dagegen, als sie eine Affäre mit dem ruppigen Max anfängt und ihn sogar als Mitbewohner ins Haus holt. In der ganzen Stadt ist klar, dass die beiden auf das Jaqcues‘ Vermögen aus sind. Und nun kommen auch noch die Bridaus aus Paris, um ihren rechtmäßigen Teil davon zu beanspruchen.

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2 Gedanken zu “Junggesellenwirtschaft, Teil IV

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