Das Antiquitätenkabinett, Teil IV

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Am Vorabend hat man mal wieder einen Theaterbesuch riskiert. Berliner Ensemble, It‘s Britney, Bitch von Lena Brasch und Sina Martens. Letztere bestreitet das Stück auch allein, mit Sprache, Gesang und Tanz. Man hat ein Problem mit Theatervorführungen, weiß aber nicht genau, ob das am Theater liegt, oder an der eigenen Beschränktheit. Man tut sich jedenfalls schwer mit artifiziellen Gesten und hochtrabenden Dialogen. Mit Schauspielern, die zu keinem Zeitpunkt vergessen lassen, dass sie Schauspieler sind. „So redet doch keiner in echt“, ist das vorherrschende Gefühl, man bewegt sich ständig zwischen Irritation und Fremdscham.
Sina Martens hat es jedoch sehr gut gemacht, spricht fast durchgehend so, wie sie auch sprechen würde, wenn sie in einem Restaurant am Tisch säße. Interessante Thematik, weil man von Britney Spears natürlich nur das weiß, was man mit halbem Bewusstsein aus der Presse mitbekommen hat. Größter Pluspunkt außerdem die kurze Dauer von nur 70 Minuten. Das kann man sich durchaus antun. Mal sehen, wie Turandot im Juli wird. Mit Oper hat man das gleiche Problem, wie mit Theater. Wobei hier noch die Frage vorherrscht: „Warum singen die eigentlich? Das machen normale Menschen doch im Alltag eher selten.“
Man weiß, dass man ignorant ist. Andererseits schreibt man seine Bücher auch ganz klassisch auf Papier. Man schreibt sie nicht auf Zuckerwatte und erklärt dem Publikum dann empört, dass das nun mal so sein muss.

BAND 34: Das Antiquitätenkabinett, S. 151 – 196

Mal wieder ein merkwürdiger Move des Meisters, man weiß nicht, ob er Seiten schinden will, oder was. Jedenfalls legt sich der Notar Chesnel mit der Ansage hin: „Trotzdem ließ er vor dem Einschlafen noch einmal die Beamten, aus denen sich das Gericht zusammensetzte, vor seinem forschenden Blick vorüberziehen.“ Woraufhin man zwanzig Seiten lang Beschreibungen der besagten Beamten, ihrer Ehefrauen, Kinder und HÄUSER über sich ergehen lassen muss.
Aber gut, kann man ja machen. Dafür bleiben dann eben nur noch wenige Seiten für den Plot. Victurnien wird ohne Anklage freigelassen, duelliert sich mit du Bousquier, verliert, heiratet dessen Nichte und fährt fortan jeden Winter allein nach Paris. Wesentlich mehr Worte findet Balzac auch nicht mehr. Man hätte gern weitere Details über das Duell erfahren, aber Pustekuchen. Dafür weiß man nun, dass die Hausmauern des alten Richters Blondet „eine mit grünlichen Farbtönen vermischte Färbung von Rost und Moos angenommen [haben], die mit dem frischen Grün der Beete und Sträucher ganz prachtvoll zusammenklingt.“

Beste Stelle:

Der Schlussstrich, den Diane de Maufrigneuse unter ihre Affäre mit Victurnien zieht: „Solange der junge Graf noch in Gefahr schwebte, konnte Diana in ihm noch ihren Geliebten sehen, doch als er gerettet war, verachtete sie ihn als schwachen Menschen, der er auch war.“

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2 Gedanken zu “Das Antiquitätenkabinett, Teil IV

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