Eine Evatochter, Teil V

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Schönes Erwachen in der Künstlerwohnung der Dresdner Scheune. Es gibt ja solche Nächte, in denen man trinken kann wie ein Zwanzigjähriger und danach trotzdem frisch und munter ist. Wer fleißig Treuepunkte sammelt, kriegt bei jedem fünfzigsten Besäufnis den Kater erlassen. Am Vorabend nach einem erfreulichen Auftritt bei Sax Royal noch mit Micha Bittner und Max Rademann ins Madness weitergezogen. Gespräche über Balzac und die Übernahme des Literaturbetriebs durch seelenlose Betriebswirte. Dresdner Herzlichkeit dabei angenehme Abwechslung zum coolen Berlin, wo man nicht mal Hallo zum Barkeeper sagen kann, ohne für einen needy Freak gehalten zu werden.

BAND 25: Eine Evatochter, S. 108 – 130

In dieser Erzählung passiert dermaßen viel, dass man kaum mehr als zwanzig Seiten am Stück verarbeiten kann. Die Lektüre von Verlorene Illusionen wird vermutlich Monate dauern.
Während Marie Angelika mit Felix für eine Weile aufs Land fährt, widmet Nathan sich seiner Karriere als Politiker und Chefredakteur. Das gelingt ihm allerdings nur mäßig: „Seine Mitarbeiter haßten ihn jetzt, waren aber bereit, ihm im Fall seines Sturzes die Hand zu reichen und ihn zu trösten, oder ihn im Fall seines Sieges anzubeten. So geht es in der Schriftstellerwelt. Man liebt dort nur Leute, die unter einem stehen. Jeder ist des Emporstrebenden Feind.“
Von diesem Stimmungsumschwung kriegt der Selbstverliebte freilich nichts mit, auch nichts von dem Komplott, das seine Teilhaber du Tillet und Massol gegen ihn schmieden. Während sie ihn in Sicherheit wiegen, wartet längst das Schuldnergefängnis auf ihn: „Nathan war begeistert von ihnen. (…) Phantasiemenschen, deren Lebensnerv die Hoffnung ist, wollen sich ja nie sagen, daß in Geschäften der kritischste Augenblick der ist, wo alles nach Wunsch geht.“

Als Marie nach sechs Monaten nach Paris zurück kommt, steht ihr Angebeteter plötzlich mit 40.000 Francs Schulden da. Sollte er nämlich verhaftet werden, wird er politisch vernichtet und damit keine Konkurrenz mehr für den Emporkömmling du Tillet sein. „Der Ehrgeizige hörte sein junges Gebäude, das ohne Grundmauern war, in allen Fugen krachen. (…) Der Wahnsinn tanzte mit klingenden Schellen vor dem Tor des Lustschlosses, in dem der Dichter hauste.“
Und natürlich bleibt einer Drama Queen wie Nathan in so einem Moment nichts anderes übrig, als sich selbst zu entleiben, Oder es zumindest zu versuchen: „Raoul suchte den Tod durch Einatmen von Kohlendampf aus einer Wärmpfanne, wie eine kleine Näherin.“
Zum Glück findet Marie ihn noch rechtzeitig und nimmt ihn unter ihre Fittiche.

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2 Gedanken zu “Eine Evatochter, Teil V

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