Der Auftrag

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Natürlich habe ich gestern auch den Rest der ziemlich kurzen Erzählung Frau Firmiani gelesen. Der Balzac-Tribut wurde also erbracht, ich konnte ihn nur nicht mehr kommentieren, weil ich mich im Selbstmitleid suhlen musste. Nur Kochen und Trinken hilft verlässlich gegen diesen Zustand, weshalb ich zu Sven ins Restaurant gefahren bin und ihm bei der Vorbereitung für ein Catering (25 Pax) half. Es gab Bier, Gin und Schnupftabak, und spätestens beim sirrenden Geräusch, das die Pfannen auf dem Induktionsherd erzeugen, hatte ich die deprimierende Verlagssituation vergessen.
Heute bin ich in erster Linie mit dem Kater beschäftigt. Auf dem Weg nach Rostock, um das Kind fürs Wochenende zu holen. Jedes Schaukeln des Zuges überträgt sich verhängnisvoll auf den Magen. Man würde gern jammern, aber man weiß ja, woher die Übelkeit kommt.

BAND 16: Der Auftrag

Auch der namenlose Erzähler in Der Auftrag fährt Bahn. Auf dem Weg von Paris nach Mouslins lernt er einen gleichaltrigen jungen Mann kennen. Die beiden reden über Frauen, vor allem über ihre Vorliebe für dreißigjährige Gräfinnen. Dabei haben wir doch gelernt, dass man um die Frau von dreißig Jahren einen großen Bogen machen sollte. Plötzlich kippt der Zug um, der Bekannte springt unglücklich ab und wird zerschmettert. Beim Sterben bittet er den Erzähler darum, seine Geliebte, die Gräfin von Montpersan, aufzusuchen und ihr die Nachricht von seinem Tod zu überbringen, bevor die Zeitung es tut.
Beim Schloss der Gräfin angekommen, beschäftigt den Boten nicht so sehr die Erfüllung des Auftrags, als vielmehr die Frage, wie cool er rüberkommen wird: „Wie ich zu meiner Schande gestehen muß, dachte ich zunächst nur an mein Auftreten, an meine geistreichen Worte, an die Gewandtheit, die ich entwickeln wollte;“ Über die schlechten Neuigkeiten ist die Ärmste nicht erfreut, sondern wirft sich ins Heu einer Scheune, um ihre Verzweiflungsschreie zu ersticken. Der Erzähler kann ihr zum Trost nur eine Locke des toten Geliebten anbieten.
Das erklärte Ziel, „eine einfache wahre Geschichte zu berichten, bei deren Erzählung ein junger Mensch und seine Geliebte von Schrecken ergriffen werden und sich einer an das Herz des anderen flüchten würde, wie zwei Kinder sich aneinander drängen, wenn sie am Waldrande eine Schlange vor sich sehen“, wurde zwar nicht unbedingt erreicht. Dafür gibt es Bonuspunkte für die slapstickhafte Beschreibung des Zugunglücks.

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2 Gedanken zu “Der Auftrag

  1. Pingback: Frau Firmiani | CLINT LUKAS

  2. Pingback: Die Grenadière | CLINT LUKAS

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