Der Diamant

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BAND 8: Der Diamant

Mal wieder eine Erzählung, die man in einem Rutsch lesen kann. Sie spielt 1809, „in der Zeit, als Napoleons flüchtige Herrschaft den höchsten Gipfel ihres Glanzes erreicht hatte. Die Fanfaren des Sieges von Wagram hallten noch im Herzen der österreichischen Monarchie wider.“ Durch die ständigen Kriege sind die feinen Salons völlig entfesselt, man trägt Juwelen, säuft und vögelt, als gäbe es kein Morgen. Ich frage mich, ob es in Kiew gerade genauso zugeht.

Auf einer dieser Partys kommt es zum peinlichen Showdown zwischen fünf Figuren. Die Lage ist verzwickt. Ich versuche zusammen zu fassen: Der verheiratete Graf von Soulanges hat eine Affäre mit der jungen, verwitweten Frau von Vaudremont. Als femme fatale hat sie jedoch gleichzeitig ein Verhältnis mit dem Baron Martial de la Roche-Hugon. Der hat an diesem Abend wiederum einen Blick auf eine geheimnisvolle Dame in blau geworfen und wettet mit seinem Kürassierkumpel Montcornet, dass er sie erfolgreich zum Tanz auffordern wird. Wichtiges Detail: Martial trägt einen auffälligen Diamantring.
Der Graf von Soulanges ist unglücklich, weil Frau von Vaudremont einen anderen hat. Frau von Vaudremont ist unglücklich, weil dieser andere Lover ständig zur Dame in Blau schielt. Warum die Dame in Blau unglücklich ist, darüber rätseln alle: „Die kleine, blaue Dame war die gemeinsame Ursache der Unruhe, die den Kürassier, Soulanges, Martial und Frau von Vaudremont so verschieden erregte.“

Stellt sich heraus: Die Unbekannte ist die Gattin des Grafen von Soulanges, der Diamantring gehört eigentlich ihr. Der untreue Ehemann hat ihn von ihrer Frisierkommode geklaut und seiner Geliebten geschenkt. Die hat ihn an ihren Verliebten weitergereicht. Und der schenkt ihn nun der Dame in Blau, damit sie mit ihm tanzt. Damit hat sie, was sie wollte, und erobert durch diesen kühnen Move auch ihren Mann zurück. Ende.

Beste Figur:

Frau von Lansac, die Tante der Dame in Blau und die Puppenspielerin, die diesen ganzen Zusammenstoß inszeniert hat, „eine der gescheitesten und boshaftesten Herzoginnen, die das 18. Jahrhundert dem 19. hinterlassen hatte“. Man möchte am liebsten jede ihrer Dialogzeilen zitieren, weil sie alle eine Wucht sind. Am besten ist, wenn sie sich bei ihrer Nichte über die Qualität der Party beschwert: „Sie sind der Grund, daß ich heute in diesem Salon erschienen bin, in dem es nach Plebs riecht. Habe ich nicht sogar Schauspieler hier gesehen? In seinem Boudoir empfing man sie wohl früher; aber im Salon, pfui!“

Beste Stelle:

Wenn dem Schürzenjäger Martial die Felle wegschwimmen: Er „warf ihr einen jener Blicke zu, die über ein verblendetes Herz Gewalt haben, die jedoch lächerlich wirken, sobald eine Frau den Geliebten mit kritischen Augen zu betrachten beginnt.“

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2 Gedanken zu “Der Diamant

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