Die alte Jungfer, Teil II

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BAND 33: Die alte Jungfer, S. 31 – 93

Die Wäscherin Suzanne redet du Bousquier ein, dass sie ungewollt schwanger von ihm ist. Ob ein Beischlaf stattgefunden hat, wird nicht richtig klar, doch da er ihr Glauben schenkt, kann man wohl davon ausgehen. Sie verlangt Geld und droht, es sonst der Witwe Granson zu petzen, die zusammen mit der Jungfer Cormon im Mutterschutzverein sitzt.Nachdem sie 600 Francs erhalten hat, geht sie es trotzdem petzen. „In jungen Mädchen steckt immer etwas von Affenbosheit.“
Man erfährt, dass auch der 23jährige Athanasius, Sohn der Witwe Granson, in die alte Jungfer verliebt ist. Damit sind es schon drei Nebenbuhler, die sich um das reiche Mädel reißen. Höchste Zeit, etwas über diese ominöse Jungfer zu erfahren.

Sie heißt Rose Cormon, und ist vor allem deshalb noch Single, weil sie während der Revolution Angst hatte, vor die Tür zu gehen. Danach waren alle heiratsfähigen Männer mit Napoleon an der Front und die Überlebenden waren nicht so heiß, wie Rose sie gerne gehabt hätte. Inzwischen ist sie 42 Jahre alt und hat ihre Ansprüche ins Unermessliche geschraubt: „Sie hatte ihr Hirn angestrengt, um ihren Anbetern tausend Fallen zu stellen und ihre Gefühle zu erproben.“ Aha, so eine mal wieder. „Ein leichthin gesprochenes Wort, ein Scherz, den sie falsch verstand, genügte, um sie ihre Bewerber als unwürdig zurückweisen zu lassen: der eine hatte kein Herz und kein Feingefühl, der andere war ein Lügner und ein schlechter Christ (…) dort vermutete sie ererbte Gicht, hier entsetzte sie ein unmoralisches Vorleben; wie die Kirche forderte sie einen schönen Priester für ihre Altäre;“

Vermaledeites Dating, es ist niemals leicht. Dazu kommt, dass die liebe, gute Rose optisch nicht gerade ein Hauptgewinn ist: „Ihre Augen von unbestimmter Farbe gaben ihrem Gesicht, dessen Umrisse ohne Adel waren, ein verdutztes Aussehen und die Einfalt eines Lammes (…) Das Kinn hatte, indem es sich verdreifachte, die Länge des Halses verringert (…) Runzeln hatte Rose nicht, aber Falten, und die Spaßvögel behaupteten, sie streue sich Puder zwischen die Gelenke, wie man es bei Kindern macht, um keine Einschnitte in der Haut zu bekommen.“
Manchmal wird sie nachts so schwach, dass sie sogar einen Raucher nehmen würde, dann verlangt sie wieder Unmögliches. Dass sie von Athanasius und dem Chevalier du Valois begehrt wird, kriegt sie nicht mit, du Bousquier hat sie bereits einen Korb gegeben. Mal sehen, wer das Rennen macht.

Beste Stelle:

Wenn die jungen Mädchen die Wahrheit sagen wollten, würdest du sehr erstaunt sein, zu erfahren, was sie verliebt macht. Oft genügt es, daß ein Mann an der Spitze einer Artillerieabteilung vorüberreitet, oder daß er mit knapp anliegenden Beinkleidern auf einem Ball erscheint.“

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2 Gedanken zu “Die alte Jungfer, Teil II

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