Ahh, Berlinale, Berlinale, Lilien auf dem Mond

berlinale.jpgDie Gefahren, die unsere Seele bedrohen,
liegen ausgebreitet vor uns wie die Lichter einer sehr großen Stadt.
Sie begegnen uns bei Tag,
sie begegnen uns bei Nacht, bei der Arbeit, im Schlaf,
in der Liebe. Es sind ihrer
unendlich viele,
und wenn sie nicht von außen kommen, dann kommen sie
aus uns selbst.

Und die Welt
ist voll von denen, die im Kampf unterlagen,
voll von denen, die den Kampf
niemals fochten.
Seelenlose Puppen ohne Glanz in den Augen,
ohne Stimme, ohne Hoffnung, ohne Gesang.
Sie verstopfen die Straßen, verstopfen die Welt,
verstopfen unsere Köpfe.
Sie sind viele und sie sind
stark, deshalb lasst euch gesagt sein,
Brüder und Schwestern:
Ihr kämpft auf verlorenem Posten.

Sie bedrohen unsere Seele, wenn wir einkaufen gehen. Wenn sie sich zu
Menschenschlangen formieren
und reden und schubsen und vor Regalen und Preisschildern stehen,
mit offenen Mündern und
Stirnfalten, die nicht
vom Denken kommen.
Sie saugen
uns das Mark aus den Knochen, wenn sie sagen: „Lächle doch mal!“, oder
wenn sie auf der Autobahn stupid die Überholspur blockieren,
mit einhundertzwanzig, obwohl die rechte Spur frei ist und
dann Unfälle bauen und
Staus produzieren
von Flensburg bis an die Riviera.

Und sie fressen unsere Seele,
wenn sie in uns etwas Besseres sehen, als uns selbst. Ein Modell,
das sie aus ihren Schulbüchern kennen.
Psychiater, Sozialarbeiter,
hilflose Geister mit Helfersyndrom.
Sie können uns nicht
leiten, sie können uns nicht führen ins Licht, denn
sie sitzen selbst im
finstersten Schatten.
Traut ihnen nicht, traut niemandem,
der euch Rat geben will. Der
Faktor Mensch bringt alles zum
Scheitern.

Ihr habt keine Chance, sie
werden euch kriegen,
auf die ein oder andere Weise. Und
seid ehrlich: Ihr wusstet
schon immer,
dass euer Hadern nichts weiter als Spiel ist. Auch ihr
werdet bald die Straßen
verstopfen, trüben Blicks,
ohne Erinnerung an das Lachen, das euch einst lenkte.
Gebt auf
und erspart euch die Schmerzen.
Oder:

Macht weiter. Verachtet
die Logik. Verachtet die Regeln des Kampfes.
Lasst sie viele sein.
Lasst sie stärker sein.
Lasst sie Recht haben.
Lasst sie gewinnen.
Doch gebt ihnen nichts.
Gebt ihnen nichts.
Bleibt Idioten. Bleibt Abschaum. Bleibt unbelehrbares Pack.

Dann treffen wir uns, mit einem
klein bisschen Glück,
eines Tages,
auf der richtigen
Seite.

„CLINT GEHT UNTER MENSCHEN – Eine misanthropische Seifenoper“ erscheint als regelmäßige Kolumne bei BERLINMUSIV.TV

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s